FAQ Strukturdialog I

Wo stehen wir im Prozess vom Strukturdialog?
Seit dem 26. Januar 2012 befindet sich der Zwischenbericht der Projektkommission in der Vernehmlassungsphase. Die Vernehmlassung dauert bis zu den Sommerferien
(7. Juli 2012). Bis zu diesem Zeitpunkt haben die Kirchgemeinden die Gelegenheit, zu den Aussagen und Vorschlägen des Zwischenberichts Stellung zu nehmen. Auch Stellungnahmen und Rückmeldungen von Einzelpersonen können eingereicht werden.
Die Projektkommission plant in der Vernehmlassungsphase verschiedene Veranstaltungen, um den Dialog aufrecht zu erhalten. Zwei Grossveranstaltungen für Behörden und Mitarbeitende haben bereits stattgefunden. Weitere sind für Juni 2012 angesetzt. Die Kirchgemeinden haben ausserdem die Möglichkeit, ein Treffen in einem kleineren Rahmen mit Mitgliedern der Projektkommission durchzuführen. Ein solches Treffen kann mit der Projektassistentin Strukturdialog vereinbart werden.

Braucht es überhaupt einen Strukturdialog?
Ja. Die Analyse der Projektkommission hat verschiedene Problemfelder aufgezeigt, welche es zu beheben gilt, damit die Kirche langfristig und nachhaltig ihre Aufgaben wahrnehmen kann:
Die Struktur der Kirchgemeinden und der Gesamtkirchgemeinde ist aufwändig und unübersichtlich. Viele Aufgaben und Verantwortlichkeiten sind nicht klar zugeteilt, bei den verschiedenen Gremien kann es zu Interessenskonflikten kommen und der administrative Aufwand ist zu gross.
Personelle und finanzielle Ressourcen werden oft nicht optimal und effizient eingesetzt. Die zahlreichen Gebäude beanspruchen einen übermässigen Teil der Finanzen, welche für die Aufgabenerfüllung dann fehlen.
Einige Kirchgemeinden stossen bereits heute an ihre Leistungsgrenzen und können ihre Aufgaben nicht mehr richtig wahrnehmen. Die Zuteilung der Ressourcen nach formalen (und nicht aufgabenbezogenen) Kriterien verstärkt diese Entwicklung weiter.

Ist der Strukturdialog in Wirklichkeit nicht eine Sparübung?
Es ist zwar richtig, dass die seit Jahrzehnten abnehmenden Mitgliederzahlen und ein grösserer Spardruck zumindest teilweise Anlass zum Strukturdialog gegeben haben. Langfristig gesehen ist das Kleid zu weit und muss den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden.
Der Strukturdialog beschränkt sich jedoch nicht auf mögliche Einsparungen, sondern zielt auf eine Optimierung der Organisation hin. Im Laufe der Ist-Analyse wurden verschiedene strukturelle Probleme identifiziert, welche die Aufgabenerfüllung und Arbeit in Kirchgemeinden und Gesamtkirchgemeinde erschweren. Die kleinräumige Organisation führt zu vielen Doppelspurigkeiten (sowohl bei den Angeboten wie auch in administrativen Belangen), welche ineffizient sind und unnötig Ressourcen verbrauchen. Mögliche Synergie-Effekte zwischen Kirchgemeinden werden nicht genutzt und gesamtstädtische Angebote sind praktisch keine vorhanden. Das System der Ehrenamtlichkeit (mit den stetig steigenden Anforderungen) stösst an seine Grenzen (Bsp. Besetzung der Behörden).
Der Strukturdialog setzt sich zum Ziel, eine Organisationsform zu finden, welche es ermöglicht, dass die Kirchgemeinden ihre Aufgaben optimal und nachhaltig wahrnehmen können.

Befasst sich der Strukturdialog auch mit den kirchlichen Aufgaben und Angeboten? Macht der Strukturdialog Vorschläge betreffend die notwendigen Liegenschaften?
Nicht direkt. Der Auftrag des Grossen Kirchenrates richtet sich primär auf die strukturellen Fragen. Die Projektkommission soll Vorschläge zu optimalen Strukturen (und Rahmenbedingungen) erarbeiten, welche befähigen, morgen und übermorgen lebendige Kirche zu sein. Diese Strukturen müssen dann mit Aufgaben und Angeboten ausgefüllt werden.
Auch die Frage der notwendigen Ressourcen und insbesondere der Liegenschaften gehört nicht zum Auftrag der Projektkommission, sondern muss im Rahmen der Liegenschaftsstrategie der Gesamtkirchgemeinde eingehend untersucht werden.
Beide Bereiche fliessen aber aufgrund ihrer Bedeutung in den Zwischenbericht ein und sind insbesondere Teil der Ist-Analyse. Umgekehrt hat der Strukturdialog auch einen Einfluss auf diese Bereiche und soll Auslöser für weitergehende Diskussionen und Veränderungen sein.

Ist im vorgeschlagenen Modell bereits alles entschieden?
Im Modell der Kirchgemeinde Bern ist praktisch nichts präjudiziert. Die Projektkommission hat eine Lösung gesucht, welche die Probleme und Nachteile der heutigen Strukturen lösen kann. Das Modell ist aber nicht fertig ausgearbeitet. Fragen betreffend Kompetenzen in den Kreisen, genaue Verteilung der Ressourcen, Kosten der neuen Strukturen etc. werden in einer späteren Phase des Projekts zu beantworten sein. Dies wird in enger Zusammenarbeit mit Behörden und Mitarbeitenden erfolgen. In der jetzigen Phase geht es um die Frage, ob die Kirchgemeinden bereit sind, sich auf die Diskussion betreffend eine Kirchgemeinde Bern einzulassen oder ein anderes Modell bevorzugen.

Was würde das vorgeschlagene Modell einer „Kirchgemeinde Bern“ verbessern?
Das Modell der „Kirchgemeinde Bern“ vereinfacht die heutigen Strukturen bedeutend, weil es die Doppelstruktur von Kirchgemeinden und Gesamtkirchgemeinde aufhebt. Es ermöglicht eine übersichtliche Aufgaben- und Finanzierungsverantwortung. Auch das Problem der kleinräumigen Organisation wird behoben (Doppelspurigkeiten, Entsolidarisierung, Leistungsgrenzen der Kirchgemeinden etc.).
Auf der Angebotsseite können die lokalen Angebote durch gesamtstädtische ergänzt werden, was eine grössere Vielfalt und eine Ausstrahlung der Kirche auf die ganze Stadt erlaubt. Auch Synergien zwischen den verschiedenen Stadtkreisen können besser genutzt werden, weil Zusammenarbeit und Informationsaustausch verstärkt werden.
Das Modell bietet eine grosse Flexibilität. Auf allfällige zukünftige Veränderungen hinsichtlich Lebensräumen, Ressourcen und Aufgabenverteilung kann einfach, aber demokratisch reagiert werden. Schliesslich können die Ressourcen der heutigen Situation angepasst werden und effektiv (d.h. auf die Aufgaben ausgerichtet) verteilt werden.

Wie werden die lokale Verankerung und das Quartierleben im neuen Modell aufrecht erhalten?
Die Projektkommission legt grossen Wert darauf, dass sowohl die Stadt als Ganzes als auch das lokale Gemeindeleben nebeneinander Platz haben, weil beides für eine lebendige Kirche von grundlegender Bedeutung ist.
Das vorgeschlagene Modell geht von zentralen Organen aus, welche sich mit der strategischen Planung und Steuerung befassen („zentral“ heisst aber nicht gleichzeitig „hierarchisch“; auch eine Kirchgemeinde Bern muss nach den Vorgaben des Gemeindegesetzes demokratisch organisiert sein). Die zentralen Organe entscheiden über die richtige Struktur und Aufgabenerfüllung, und stellen sicher, dass die Kreise langfristig die notwendigen Ressourcen für ihre Aufgaben zur Verfügung haben. Administration und Ressourcenverwaltung sollen zentral wahrgenommen werden und somit zu einer Entlastung der Kirchgemeinden beitragen.
Die Kreise erhalten ihre Kompetenzen durch die zentralen Organe. Um ein lokales Gemeindeleben zu gewährleisten, sollen diese Kompetenzen weit gefasst werden und eine möglichst grosse Autonomie der Kreise ermöglichen. Die operative und gemeindebildende Arbeit findet weiterhin dezentral statt und auch die Standorte für die kirchlichen Angebote sind (abgesehen von den gesamtstädtischen Angeboten) dezentral gelegen.

Warum wird nur ein mögliches Modell beschrieben und werden keine Varianten aufgezeigt?
Die Projektkommission hat sich im Zwischenbericht primär auf das Modell konzentriert, welches nach ihrer Meinung am besten geeignet ist, die strukturellen Probleme der heutigen Organisation zu beheben. Dabei handelt es sich um eine Empfehlung. Im Bericht werden aber auch weitere Modelle kurz vorgestellt, mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen.

Wie geht es im Prozess weiter?
Nach der Vernehmlassungsphase werden die Stellungnahmen ausgewertet und wenn immer möglich berücksichtigt. Die Projektkommission wird einen Schlussbericht zuhanden des Grossen Kirchenrates für die Sitzung vom 28. November 2012 erarbeiten. Dieser Schlussbericht wird eine Empfehlung der Projektkommission betreffend das weitere Vorgehen enthalten.

Was passiert, wenn der Vorschlag der Projektkommission vom Grossen Kirchenrat angenommen bzw. abgelehnt wird?
Die Projektkommission arbeitet auf einen Grundsatzentscheid hin. Das bedeutet, dass sie – bezogen auf den heutigen Stand – die grundsätzliche Zustimmung für das Modell einer „Kirchgemeinde Bern“ erreichen möchte. Das Modell lässt aber (bewusst) viele Fragen offen, insbesondere in Bezug auf die genauen Organe der neuen Strukturen und auf die Aufgabenverteilung (zentral-dezentral). Diese Ausführungen sollen teilweise vor und teilweise nach dem Grundsatzentscheid ausgearbeitet werden. Das fertig ausgearbeitete Modell wird den Kirchgemeinden aber in jedem Fall vorgelegt und diese können sich – unabhängig von dem ersten Grundsatzentscheid – für oder gegen den Vorschlag der Projektkommission aussprechen.
Eine Zustimmung zum Grundsatzentscheid bedeutet eine Weiterbearbeitung des Modells, welche in Zusammenarbeit mit verschiedenen Gruppen stattfinden wird. Wird das Modell einer „Kirchgemeinde Bern“ weiter verfolgt, werden zwingend alle Kirchgemeinden mit einzubeziehen sein, weil die Stimmberechtigten aller Kirchgemeinden einem Zusammenschluss zustimmen müssten.
Eine Ablehnung des Vorschlags kann unterschiedliche Folgen haben: Sollten die Kirchgemeinden und der Grosse Kirchenrat ein anderes (im Bericht vorhandenes) Modell favorisieren, wird dieses Modell weiter ausgearbeitet. Sollte der Bericht vollumfänglich abgelehnt werden, wird die Diskussion um allfällige Veränderungen in den Kirchgemeinden und der Gesamtkirchgemeinde neu aufgerollt werden müssen.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich Fragen oder Anmerkungen habe?
Die Mitglieder der Projektkommission können entweder direkt oder über die Projektassistentin kontaktiert werden. Es wird jedoch empfohlen, den elektronischen Briefkasten zu verwenden, welche (unter „Kontakt“) zur Verfügung steht.
Es sind alle Interessierten willkommen, ihre Fragen, Anliegen und Vorschläge jederzeit mitzuteilen.

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